Katzenliebe ist die einzige Liebe, die mein verqueres Gehirn versteht und erwidern kann. Irgendetwas mit Kindheitstraumata, denke ich. Das ruft die dauermüde Katzenmutter in mir jedesmal, in dem ich sie erblicke, hervor. Das Haus gegenüber meinem friedlichen Häuschen am Rande der Stadt steht schon lange frei. Eines späten Nachmittags, als ich meinen Feierabend-Joint rauchte, kroch eine Katze aus dem kleinen Loch an der unteren Seite der grünen und brüchigen Tür des Nachbarn und gleich sieben kleine Babykatzen ihr hinterher. In meinem bekifften Kopf dachte ich, ich hätte wieder einmal zu viel geraucht und sprang hastig auf und blieb stehen. Die Katzenmutter fauchte leise und müde, jedoch rannten alle Katzenbabys ängstlich wieder durch das halb angeschlagene Türloch zurück. Es dauerte eine Woche, bis sich die Mutter und ihre Babys an mich gewöhnt haben. Nicht nur die Zeit heilte ihre durch mich entstandenen Angstwunden, sondern auch viel Katzenfutter von der guten Sorte. Zumindest g...
An unserer Haustür, rosé-goldenes Haar, halbes Gesicht, verirrte Sommersprossen, eine Träne und ein rotes Auge. Sie schaut hierhin, zu mir. Ein ermüdetes Herz, ein verständnisvoller Verstand. Du schaust mich an und ich schaue dich an. Ich bücke und lege meinen Rucksack auf den Boden, schaue wieder zurück zu dir, da warst du schon gegangen. Und so sah ich mein Glück zum allerletzten Mal an, dich! Sechs Jahre lang. Seit dem ersten Mal, wo ich dein Bild auf einer App likte, und dir da anschrieb, und seit dem ersten Treffen, das erste Bier und der erste Kuss, Booze war die Bar, böse war ich, böse bist du nicht. Sechs Jahre lang seitdem frage ich mich jeden einzelnen Tag, womit ich dich verdient habe? Sechs Jahre lang fand ich darauf keine Antwort. Gotteswiedergutmachung, das weiß ich jetzt. Ich denke Gott hat meine Familie lange bestraft, dann vielleicht dachte er an einem neuen Anfang. Meine Oma mütterlicherseits sagte mir einst, dass unsere Familie verflucht ist, weil ein Urgroßvater ein...
Du dachtest das Haus bräuchte lediglich eine einfache Reparatur, eine oberflächliche Sanierung; du dachtest die Wand bräuchte lediglich neue Farbe, hier ein wenig reinigen, da ein bisschen wischen, dann wäre alles gut. Nur jetzt scheint die Sonne und das Fundament des Hauses offenbart sich in all seiner Zerbrechlichkeit. Als es noch dunkel war, hat es gereicht, ein Fundament aus religiösen Narrativen zu bauen. Ein Feindbild und eine erleuchtete Erlösung, das Verdammnis liegt da unten, keiner darf hin. Was du nicht sehen kannst, fürchtest du unendlich. Dann strahlte die Sonne und das Verdammnis sah anders als erwartet aus. Beton, der schlecht gebaut wurde, er hat tiefe Risse, eigentlich ist er schon kaputt. Das Problem bist nicht du, nicht der Beton und nicht das Licht, das Problem ist alles! Das Haus dürfte hier nicht stehen. Es dürfte nicht Mal gebaut werden.
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